Interview mit Simon Scherr

Der Drittplatzierte der Kategorie Best Talk über das Young Researchers Symposium (YRS) 22

Für sein Poster »Analyzing Emojis in Feedback to Improve Apps « wurde Simon Scherr mit dem ersten Platz der Kategorie Best Talk ausgezeichnet.

Swenja Broschart vom Team Kommunikation des Fraunhofer ITWM hat sich mit dem Preisträger über seine Forschung und seine Eindrücke vom Young Researchers Symposium 2022 unterhalten.

 

Würdest Du Dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Simon André Scherr und ich komme aus der Vorderpfalz unweit der Deutschen Weinstraße. In meinem Studium habe ich Informatik studiert und arbeite seit 2015 als Wissenschaftler beim Fraunhofer IESE im Bereich Digital Innovation Design.

Simon Scherr
© Fraunhofer IESE
Simon Scherr vom Fraunhofer IESE untersucht die Wirkungsweise von über 700 Emojis mit dem Ergebnis, dass wir damit Texte, zum Beispiel das Feedback zu Apps, klassifizieren können.

Worum geht es in Deinem Vortrag am YRS 22?

Unsere vernetzte Welt wird durch mobile Apps, die zunehmend intelligenter und komplexer werden, bestimmt. Essentiell für die Nutzerakzeptanz sind ein fehlerfreier Ablauf und innovative Ideen. Allerdings ist die Nutzerakzeptanz von Apps ist sehr volatil. Eine App, die es nicht schafft, Nutzer kontinuierlich zu überzeugen, hat auf dem Markt geringe Chancen.

Daher muss jederzeit auf Trends in der Nutzerstimmung reagiert werden. Da diese eng mit den Emotionen des Nutzers verbunden sind, sollen die in Nutzerfeedbacktexten, wie z.B. App Store Rezensionen oder Social Media Kommentaren, enthaltenen Emojis benutzt werden, um diese zu identifizieren. Verbunden mit einer Themenerkennung entsteht so eine intuitiv verständliche Information. Diese erlaubt die Stimmungstrends zu verstehen und anschließend die Entwicklung anzupassen. Dadurch wird die Nutzerakzeptanz des Produkts erhöht.

Wie bist du auf das Thema gekommen? 

Die Idee Emojis zu verwenden kam uns auf Grund des Problems, dass man typischerweise als Entwickler:in die große Menge an Feedback nicht händisch auslesen kann und Computer derzeit noch nicht in der Lage sind Sprache wirklich zu erfassen und zu verstehen. Jeder, der die Sprachassistenten von Amazon, Apple oder Google kennt weiß das aus eigener Erfahrung.

Emojis wiederum werden von uns in der Kommunikation im Internet genutzt um unsere Emotionen, Stimmungen und Gefühle auszudrücken und so das geschriebene Wort zu ergänzen. Es war schnell klar, dass hinter der Verwendung von Emojis eine klare Systematik steckt.

Daher haben wir begonnen mit unserer Studienserie Emoji-Poll die Wirkungsweise von über 700 Emojis auf Stimmung und Emotion zu untersuchen mit dem Ergebnis, dass wir damit Texte sehr gut klassifizieren können.

 

Was hat Dich motiviert beim YRS 22 teilzunehmen?

Ich glaube bei einer solchen Veranstaltung direkt vor der Haustüre stellt sich die Frage gar nicht, ob man mitmachen sollte oder nicht. Diese Gelegenheit sollte einfach beim Schopf gepackt werden.

 

Welche Erfahrung nimmst Du vom YRS 22 mit?

Ich habe überraschend viel über Insekten an und um Wasserflächen an diesem Tag gelernt.

 

Was hat Dir an dem Tag besonders gefallen?

Häufig sind Konferenzen in einer sehr engen Blase unterwegs daher ist die Interdisziplinarität des YRS eine sehr schöne Sache mit all den verschiedenen Themen und Perspektiven.

 

Welchen Tipp hast Du für die Vortragenden des nächsten YRS?

Mein Tipp wäre nicht so viel von den tiefen Details des Vorhabens zu erzählen, sondern sich auf eine für jeden verständliche Geschichte zu konzentrieren, was ist das Problem, dass du lösen möchtest, wieso ist das ein wichtiges Problem und was ist die Lösungsidee, um so den Mehrwert klar herauszustellen.

Die weiteren Gewinner:innen

 

Erster Platz: Best Talk

Learning from Netflix

Nicolas Hayer stellt in seinem Vortrag vor, wie man, analog zu Filmempfehlungen von Netflix, Vorhersagen für thermodynamsiche Mischungseigenschaften geben kann.

»Ich nehme viele interessante Eindrücke zu Forschungsgebieten unserer Universität mit. Ein solcher Blick über den Tellerrand ist selten und daher besonders hervorzuheben.«

 

Erster Platz: Best Poster

Effects of a Mosquito Control Agent

Sara Kolbenschlag untersucht den Einfluss von anthropogenen Stressoren im Wasser auf Insekten, welche sich während ihrer Entwicklung vom Wasser zum Land bewegen und so die beiden Ökosysteme verbinden. 

»Es hat für mich vor allem verdeutlicht, dass sich die Forschungsbereiche von Landau und Kaiserslautern gut ergänzen und sich damit tolle Möglichkeiten der Zusammenarbeit in künftigen Projekten bieten.«

 

Zweiter Platz: Best Talk

Photoactivatable Zinc Sensors

Zink ist ein extrem wichtiges Spurenelement im menschlichen Körper und ist unter anderem mit Lern- und Erinnerungsprozessen in unserem Gehirn verknüpft. Wie man Zink mit photoaktivierbaren Zinksensoren gezielt in Zellen untersuchen und nachverfolgen kann, erklärt Annika Pick (links im Bild).

»Die Veranstaltung bietet eine tolle Gelegenheit, sich in einem Vortrag auch mal kreativ auszutoben, und das sollte man nutzen.«

 

Zweiter Platz: Best Poster

Multinuclear Copper Complexes – From Nature to Industry

Meike Landsiedel stellt, inspiriert von Molekülen in der Natur, für Anwendungen in der Industrie neue Verbindungen im Labor her.

»Ich finde es oft nicht einfach, Fachfremden meine Begeisterung für Chemie nachvollziehbar zu machen. Daher war es für mich eine Herausforderung meine Forschung einem fachübergreifenden Publikum näher zu bringen.«

 

Dritter Platz: Best Poster

How Work-shy Scientists Identify Insects

Nina Röder erklärt, wie »arbeitsscheue« Wissenschaftler:innen ohne aufwendige DNA-Extraktion Insekten genetisch bestimmen können.

»Es war eine schöne Erfahrung mit zum Beispiel MathematikerInnen und ComputerwissenschaftlerInnen über die Bedeutung von menschlichen Einflüssen auf die Biodiversität von Insekten zu diskutieren, mir wurden dabei sehr viele spannende Fragen gestellt.«